Warning: This article is based on the principles of Ayurveda and is for informational purposes only.

Das Element Erde (Prithvi Mahabhuta) ist das härteste und gröbste der Elemente. Durch ihre Grobheit ermöglicht die Erde unserem Organismus, stabil zu arbeiten und sich der vorgegebenen Ordnung zu unterstellen. Dabei ist Prithvi, das Element Erde, eine zuverlässige und starke Grundlage, auf der unsere körperliche und geistige Gesundheit basiert.

Die offensichtlichen Eigenschaften dieses Elements sind die bereits erwähnte Härte und Rauheit, dazu kommt eine gewisse Kälte und Unbeweglichkeit, sein Geschmack ist süß. Jedem Element entspricht ein bestimmtes Chakra. Diejenigen, die mit der Chakra-Struktur und der Theorie des feinstofflichen Körpers vertraut sind, können anhand der Beschreibung dieser Eigenschaften leicht erraten, welches Chakra der Erde zuzurechnen ist: zweifellos das Wurzel-Chakra, das Muladhara. Von diesem Chakra aus beginnt die Kundalini-Energie ihren Aufstieg entlang der Energiekanäle. Das Muladhara-Chakra ist die Grundlage, das Fundament, ohne das die Energie nicht aufsteigen kann.

Der Erde entspricht auch ein visuelles Symbol, ein Yantra. In diesem Fall ist es ein Quadrat. Die Farbe des Elements Erde ist gelb, und das dazugehörige Bija-Mantra lautet „Lam“. Wie bereits erwähnt, ist dieses Element in unserem Körper für die Stabilität verantwortlich: Nur mit dem Element Erde ist eine normale Funktion des Bewegungsapparates, der Zähne und der Muskeln möglich. Die Gesundheit von Haaren und Nägeln sowie Eigenschaften wie Ausdauer und körperliche Kraft hängen vollständig vom Element Erde ab.

Damit das Element Erde (Prithvi) im Gleichgewicht ist, müssen die Empfehlungen befolgt werden, die dem eigenen Dosha entsprechen. In diesem Fall ist Aromatherapie hilfreich – schon allein durch das Einatmen der Düfte der Natur unterstützt man das Element Erde ganz entscheidend. Das Element Erde liebt Ruhe und Gelassenheit. Wenn man also auf heftige Bewegungen, unüberlegte Worte und Handlungen verzichtet, sorgt man auch dafür, dass das Element Erde im Einklang ist.

Wozu wird das Element Erde noch benötigt? Angenommen, man hat einen Gegenstand, den man benötigt – dann muss es auch einen Ort geben, an man ihn aufbewahren oder einfach ablegen kann. Das Element Erde ist der Ort, an dem man die Wirkung seiner Praxis, sowohl körperlicher als auch geistiger Art, bewahren kann. Ein starkes Element Erde wird diese Wirkung erhalten und sie noch verstärken. Was passiert, wenn dem Körper nicht ausreichend viel des Elements Erde zur Verfügung steht? Man nimmt einen normalen Zweig, wendet ein wenig Kraft an und schon bricht er entzwei. Das wird aufgrund mangelnder Härte passieren. So einen Bruch kann es auch zwischen dem physischen und spirituellen Körper geben, wenn ihm Prithvi, das Element Erde, fehlt. Erde verleiht dem Objekt Ganzheit und Form.

Prithvi ist in allem vorhanden, angefangen bei leblosen Gegenständen – zum Beispiel dem Gerät, auf dem man diesen Text lesen kann – bis hin zu Lebewesen. Prithvi ist eng mit Geruch verbunden: Jede Struktur, selbst die härteste, hat einen Geruch. Manche werden entgegnen, dass zum Beispiel Glas keinen Geruch hat. Auch ein Stein ist geruchlos, aber ist das wirklich so? Sobald etwas zerbricht und man den Staub, der dabei entstanden ist, einatmet, bemerkt man, dass auch ein Stein seinen eigenen Geruch hat. Daraus lässt sich schließen, dass das Organ, das dem Element Erde entspricht, die Nase ist.

Schon allein anhand des Geruchs können wir sofort feststellen, ob ein Produkt genießbar ist und ob wir es essen können. Und dabei geht es längst nicht nur darum, wie frisch etwas ist. Atmet man den Duft eines Lebensmittels oder Gerichts ein – das eine wird man sofort probieren wollen, das andere wird Abneigung hervorrufen. Dein inneres Ich wird dir sofort sagen, dass du nicht einfach so ein paar Chilischoten essen kannst. Gleichzeitig wird die eigene Nase mit Vergnügen feststellen, dass ein paar Pfirsiche oder Äpfel einem guttun werden. Die Erde zieht uns zum Süßen hin, schützt uns aber gleichzeitig vor möglichen Gefahren, denn die wichtigste Triebkraft des Muladhara-Chakras ist die Sicherheit. Wenn man seinen Geruchssinn verliert oder man seine Knochen spürt, hat Prithvi Alarm geschlagen.

Dabei sollte man bedenken, dass große Muskeln noch lange nicht bedeuten, dass der Praktizierende keine Probleme mit dem Element Erde hat. Prithvi füllt den Raum aus, den Akasha umrissen hat; daher können die Muskeln groß sein, während die Knochen schwach sind und oft brechen. Emotional steht ein Mensch mit starker Erd-Energie fest auf dem Boden und spürt den Boden unter den Füßen – er ist selbstbewusst und gelassen. Wenn jedoch zu viel Erde im Körper vorhanden ist, wird man in diesem Fall das gesamte „Spektrum“ des Muladhara-Chakras wahrnehmen: Faulheit und unbegründete Ängste, die Tendenz unnötige Dinge zu horten, übertriebener Materialismus.

Ein Überschuss des Elements Erde macht einen weniger flexibel; dazu kommt der Wunsch, länger zu schlafen, und der Appetit lässt nach. Ein Mangel an Prithvi führt hingegen zu einem Rückgang der Muskelspannung. Dann fühlt man sich schwach und hat das Bedürfnis, sich mehr auszuruhen, was die Situation noch weiter verschlimmert.

Es ist interessant festzustellen, dass in verschiedenen vedischen Quellen die Bedeutung der Erde mehr als einmal hervorgehoben wurde. So heißt es beispielsweise im „Markandeya-Purana“, dass die Erde zu den Schenkeln der Göttin Kali wurde, jenem eigentlichen Fundament der großen Göttin Kali. Prithvi (das Element Erde) findet auch im Buddhismus ihren Ausdruck: Im bekannten Pali-Kanon stellt sie den Dämon Mara zur Rede, weil er es gewagt hat, an Siddhartha zu zweifeln.

Prithvi wird so sehr geschätzt, dass es heute in einigen Yoga-Richtungen sogar eigene Übungsabläufe gibt, die dem Element Erde gewidmet sind, wie zum Beispiel die dynamische Übung „Prithvi Namaskar“ im Kriya-Yoga, die 18 aufeinanderfolgende Asanas umfasst.

Es gibt die Auffassung, dass die Erde die Quelle der Kundalini-Energie ist – dem kann man nur zustimmen. Wir alle erinnern uns daran, wo in unserem feinstofflichen Körper die von den Yogis der Vergangenheit beschriebene mythische Schlange ihren Ursprung hat. Manche glauben vielleicht, dass starker Kontakt zum Erd-Element alles ist, was man braucht, damit die Energie nach oben steigt. Diese Aussage ist jedoch von Grund auf falsch. Es ist kein Zufall, dass es fünf Elemente gibt und nicht nur eines. Sie alle hängen miteinander zusammen: Jedes weitere Element geht aus dem vorherigen hervor. Aus Sicht des Ayurveda und des Yoga sollte sich der Mensch harmonisch entwickeln; nur dann ist das sichere Aufsteigen der Energie möglich.

Praktizierende sollten geerdet sein – es sind viele Fälle bekannt, in denen Menschen aus Unwissenheit oder aufgrund unzureichender Informationen versucht haben, die Kundalini-Energie auf unkonventionelle Weise zu wecken. Solche Experimente führten zu psychischen Störungen und brachten nichts als seelische und körperliche Verletzungen mit sich. Mit jeder Art von Energie – sei sie nun feinstofflich oder grob – muss man vorsichtig und behutsam umgehen. Andernfalls lässt die Quittung nicht lange auf sich warten, und kaum einer von uns ist bereit, einen solchen Schlag zu verkraften.

Aufgrund eigener Erfahrung und der Erfahrung anderer Praktizierender ist es empfehlenswert, dass der Praktizierende sich selbst und seine Kräfte – sowohl die körperlichen als auch die geistigen –objektiv einschätzen kann. Man sollte vorsichtig sein mit den eigenen Worten und Taten, auf sein inneres „Ich“ achten und auf sich selbst hören. Wie Buddha sagte: „Seid euch selbst Leuchten.“ Man sollte nach einer harmonischen und ganzheitlichen Entwicklung streben und in der eigenen Praxis die vorgeschriebenen Empfehlungen des Ayurveda befolgen. Man braucht keine Angst vor Fehlern zu haben, aber geben man sollte auch nicht aufgeben, wenn Schwierigkeiten auftreten. Der folgende Vorsatz wird empfohlen: „Möge der mächtige Vayu nur reine Gedanken und rechte Absichten aufsteigen lassen, möge in euren Augen das Agni hell lodern und alle Ängste und Sorgen verbrennen, und möge Jala euch mit Ruhe und Harmonie erfüllen“. Sei heute ein bisschen besser, damit morgen, wie es in den heiligen Schriften heißt, „alle Wesen in allen Welten glücklich sind“.

Die Meinung des Autors basiert auf traditionellen ayurvedischen Texten und stellt keine medizinische Expertise dar. Zertifizierter Ayurveda-Berater und Yogalehrer.