Hinweis: Dieser Artikel basiert auf den Prinzipien des Ayurveda und dient ausschließlich zu Informationszwecken.

Praktisch alle Länder und Kulturen haben etwas gemeinsam: Es handelt sich um eine Art „Brücken“ zwischen den Ideen der pragmatischen westlichen und der geheimnisvollen östlichen Welt. Jeder Mensch kann in einer fremden Kultur etwas finden, das ihm vertraut und verständlich ist. Durch solche Brücken fällt es uns leichter, die Menschen in unserem Umfeld, ihre Kultur und ihr Leben zu verstehen. Aber was hat das Feuer damit zu tun? Seit jeher hegen die Menschen überall eine ehrfürchtige, respektvolle Haltung gegenüber diesem Element.

Wenn wir uns die Epen und Mythen verschiedener Völker genauer ansehen, werden wir feststellen, dass das Feuer praktisch überall einen sakralen, göttlichen Ursprung hatte. Dunkelheit und Kälte waren die schlimmsten Dinge, die der Menschheit nach Ansicht unserer Vorfahren von einst hätten widerfahren können.

Aus Sicht des Ayurveda – einer der ältesten Heilkünste die es gibt – ist das Feuer nicht weniger wichtig. Wir wissen bereits, dass sich Äther, der sich in Bewegung setzt, „Vayu“, den Wind, erzeugt. Die Teilchen des Windes erzeugen ihrerseits, wenn sie in Bewegung geraten, Wärme, aus der dann „Agni“ entsteht – was aus dem Sanskrit übersetzt „Feuer“ bedeutet. Jede Transformation im Universum ist nur dank des Feuers möglich.

Jeder Autofahrer weiß: Damit das Auto losfahren kann, muss das Benzin verbrannt werden. Die entstehende Wärme wird die Achsen in Bewegung setzen, die wiederum die Räder in Bewegung setzten. Der Mensch braucht Nahrung, um seine täglichen Aufgaben zu erledigen: Sie liefert, ähnlich wie Benzin, die Energie, um unsere Pläne zu verwirklichen. Energie ist das, was uns ermöglicht, uns weiterzuentwickeln; im Grunde genommen ist Energie die treibende Kraft des Fortschritts. Die Grundlage dieser Energie ist das Feuer. Manchmal wird gesagt, dass Agni der Prototyp der Sonne in unserem Körper sei.

So wie Surya, die Sonne, unseren gesamten Planeten erwärmt und erhellt, hilft uns Agni dabei, nicht zu erfrieren und nicht in Finsternis zu versinken. Wie wir bereits wissen, ist Agni für die Prozesse im Körper verantwortlich: Insbesondere wird das innere Feuer mit einem Vorgang wie dem Stoffwechsel in Verbindung gebracht. Das Feuer verbrennt nicht nur Unnötiges, es schenkt uns auch Energie, ohne die unser Leben überhaupt nicht möglich wäre.

Agni verfügt, wie auch die anderen Elemente, über eine Reihe von Eigenschaften. Dazu zählen Wärme und Beweglichkeit. Das dritte Chakra, das Manipura-Chakra, wird mit dem Feuer in Verbindung gebracht. Feuer hat sein eigenes Yantra – ein Dreieck. Es wird in rot oder safrangelb dargestellt, denn genau diese Farben entsprechen diesem Element. Das Bija-Mantra des Feuers lautet „Ram“.

Agni ist für die Funktion des Magen-Darm-Trakts und für die Verdauungsprozesse verantwortlich. Ohne das Feuer sind ein normaler Stoffwechsel und ein funktionierender Blutkreislauf nicht möglich. Dennoch geht man davon aus, dass das Feuer nicht mit dem Magen, sondern mit dem Sehsinn in Verbindung steht: Die Augen, die den wichtigsten Kanal der visuellen Wahrnehmung darstellen, sind ein Symbol für das Feuer. Auch die normale Körpertemperatur ist das Ergebnis der Wirkung von Agni.

Der einfachste Weg, die eigene Lebenskraft aufrechtzuerhalten, besteht darin, die Empfehlungen für den jeweiligen Konstitutionstyp, für sein dosha, zu befolgen und dabei besonders auf den Tagesrhythmus zu achten. Man sollte mehr Zeit an der frischen Luft verbringen und versuchen, öfter aus der Stadt herauszufahren.

Außerdem geht man davon aus, dass Agni für das Immunsystem verantwortlich ist. Unser inneres Feuer beseitigt Giftstoffe und Schlacken und gibt uns die Kraft, unsere Ziele zu erreichen.

Wenn im Körper ein Überschuss an Agni herrscht, kommt es zu Problemen im Magen-Darm-Trakt: Die Nahrung wird schnell verbrannt, und der Geist verlangt nach einer neuen Portion Essen. Haben wir nicht gesagt, dass sich unser inneres Feuer in den Augen zeigt? Nun, einem echten Ayurveda-Experten reicht ein Blick in die Augen, um zu erkennen, wie es um die Verdauung seines Gegenübers steht.

Ist das Agni erhöht, treten beim Menschen Blutdruckprobleme auf. Feuer steigt immer nach oben, weshalb die Blutgefäße im Kopf besonders stark betroffen sind. Es gibt die Ansicht, dass Agni die Lebenskraft des Menschen verbrennt; wenn ein Mensch also viel davon hat, altert er schneller als seine Altersgenossen. Man kann feststellen, dass herausragende Redner und bekannte Künstler sehr viel Agni besitzen, weshalb die Fans zu ihnen strömen wie Motten zum Feuer, in der Hoffnung, sich an dem glühenden Stern zu wärmen. Dabei werden viele Prominente nicht älter. Da stellt sich die Frage: Warum? Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem unter Kontrolle gebrachten Feuer und einem, das außer Kontrolle geraten ist.

Das Element Feuer äußert sich in Emotionen wie Wut, Intoleranz gegenüber Mitmenschen und großem Ehrgeiz. Erinnern Sie sich an Vayu, das den Fluss unserer Gedanken steuert? Wenn man an etwas Schlechtes denkt, dann wird der übermäßige Wind aus einer „Mücke einen Elefanten“ machen und das Agni in ungeahnte Höhen treiben. Genau dann treten in unserem Leben Situationen auf, an die man sich nur ungern zurückerinnert: Man hat sich nicht beherrschen können und jemanden angeschrien. Gerade Agni hat das unterstützt: Wenn es sich ausbreitet, ist es schwer, es aufzuhalten. Es ist wichtig, sich selbst zu begeistern und Feuer in seinem Leben zu „entfachen“, aber es ist genauso wichtig, sein Leben nicht zu „verbrennen“. Man muss ein Gleichgewicht finden und alle Elemente sollten in einem normalen Bereich sein. Es hängt alles von uns selbst ab.

Ein schwaches Feuer ist nicht weniger gefährlich als ein ausuferndes Feuer. Wenn es einem schwerfällt, nach dem Mittagessen wieder mit der Arbeit anzufangen, einem die Kraft fehlt und man sich apathisch fühlt, dann fehlt es einem wahrscheinlich an „Feuer“. Wenn einem jedes neue Vorhaben schwerfällt, man selbst in der heißen Jahreszeit ohne Grund friert und man sich schon bei einem leichten Windzug wärmer anziehen muss – all das sind Anzeichen für ein schwaches Agni. Übermäßige Trägheit und mangelnder Wille, das gesteckte Ziel zu erreichen, wenn viel geredet und wenig getan wird – auch das ist eine Folge von mangelndem „Feur“. Dabei möchte man im Stillen, dass alles so schnell wie möglich vorbei ist, damit man seine Ruhe hat. Man macht sich sofort an die Arbeit, aber es wird nur noch schlimmer. Das Feuer beginnt, alles zu zerstören, was es berührt.

Man kann das Feuer unter Kontrolle bringen, indem man verhindert, dass der Wind es weiter anfachen kann. Wenn man mit einer negativen Situation konfrontiert ist und Wut oder Angst in einem aufsteigen, sollte man diesen weisen Rat befolgen: Man fängt an, langsam und tief zu atmen – diese Art des Atmens ein Juwel des Yoga. Mindestens 10 Atemzyklen führt man durch. Man versucht, zur Ruhe zu kommen und sich zu konzentrieren – dann wird das Vayu unter Kontrolle gebracht und hört auf, chaotisch hin und her zu rasen. Das Feuer wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und erlischt. Beim Löschen eines Brandes wird dem Feuer der Zugang zu Sauerstoff genommen. Man sollte dasselbe tun, indem man zum „Feuerwehrmann“ für den eigenen Körper wird.

Um das zu erreichen, sollte man mehr Salate essen; süße und adstringierende Lebensmittel lindern ebenfalls das Feuer. Trinkt man mehr Milch, wird das Agni deutlich gesenkt. Sauermilchprodukte wie saure Sahne und Joghurt sollte man hingegen aus der Ernährung streichen. Man sollte mehr Reis, Weintrauben und Bananen essen. Auch Gurken und Kartoffeln wirken hervorragend gegen übermäßiges Feuer.

Der einfachste Weg, das Agni-Niveau zu steigern, ist, etwas Scharfes zu essen. Um hingegen ein erlöschendes Feuer wieder anzufachen, sollte man würzige und scharfe Gerichte essen und Ingwer oder Getränke mit Ingwer in seinen Speiseplan aufnehmen. Man sollte mehr Honig essen. Überraschend ist, dass viele Ayurveda-Experten der Meinung sind, dass Honig zwar süß ist, dennoch aber zu den scharfen Lebensmitteln gezählt werden sollte. Wenn man vor dem Essen ein Glas warmes Wasser mit Honig trinkt, wird der Appetit deutlich angeregt – das ist ein Zeichen dafür, dass das Verdauungsfeuer auf Hochtouren läuft.

Man muss auf sich selbst und die eigenen Empfindungen achten und daran denken, dass aus einem erlöschenden Feuer leicht eine Flamme entstehen kann, die alles auf dem Weg vernichtet. Genauso leicht kann es passieren, dass man umgekehrt die letzten Funken des Feuers löscht.

Der Weise Charaka sagte, dass Agni ohne Pitta nicht existiert, denn Pitta ist Agni. Man muss seine individuellen Eigenschaften berücksichtigen, und noch besser: Man sollte sich von einem Ayurveda-Experten beraten lassen. Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund.

Die Meinung des Autors basiert auf traditionellen ayurvedischen Texten und stellt keine medizinische Expertise dar. Zertifizierter Ayurveda-Berater und Yogalehrer.