Warning: This article is based on the principles of Ayurveda and is for informational purposes only.
In verschiedenen Kulturen, darunter auch in der vedischen Tradition, wird dem Wasser, Jala, eine Ehrfurcht gebietende und sogar sakrale Bedeutung beigemessen. Viele sind der Ansicht, dass Jala nicht nur eines der Elemente ist, sondern eine Manifestation Gottes auf der Erde. Asketen und Sadhus gehen extra nicht nackt ins Wasser, um eine Beleidigung dieses Elements zu vermeiden.
Um das Thema der Elemente fortzusetzen, wollen wir uns nun mit Jala – dem Wasser – befassen. Seit den alten vedischen Zeiten bis heute wird dem Wasser mit Wertschätzung begegnet. Wir alle haben schon vom Ganges gehört: Für die Menschen in Indien ist er nicht einfach nur ein Fluss, sondern Herrscher über alle Flüsse und Seen, Ozeane und Meere. Einer Legende zufolge wurde die Göttin, die davon träumte, dass man sich zu allen Zeiten an sie erinnern und sie verehren würde, zum Ganges. Im Gegenzug versprach sie, jedem zu helfen, der sich an sie wendet. Auf der Landkarte ist der Ganges einer der größten Flüsse Indiens; er fließt von Westen nach Südosten. Aus Sicht der heiligen Schriften ist der Ganges jedoch die Große Mutter, die alle spirituellen Welten miteinander verbindet.
Der Ganges ist ein unendlicher, transzendenter Strom, der sich aus Barmherzigkeit auf unserer Erde in Form eines Flusses manifestiert. In Indien glaubt man, dass die Seele eines Verstorbenen sicher in den Himmel gelangt, wenn seine Asche dem Ganges übergeben wird. Das ist eben jener Segen der Großen Mutter, von dem die Göttin sprach, als sie nach dem ewigen Gedenken fragte. Heute trifft man an den Ufern des Ganges die unterschiedlichsten Menschen: Yogis, Asketen und Meister. Die Begräbnisfeuer brennen unaufhörlich, und neben ihnen sprechen die furchterregenden Aghoris Gebete, in denen sie darum bitten, die Seelen der Verstorbenen aufzunehmen.
Es ist offensichtlich, dass der Begriff „Jala“ weitaus umfassender ist als einfach nur „Wasser“. Wasser ist eines der wichtigsten Elemente, das alle anderen miteinander verbindet und vereint. Gerade Wasser bindet Nährstoffe und versorgt unseren Körper damit. Aus ayurvedischer Sicht ist Wasser in allem vorhanden, sogar in Steinen. Es verbindet die Moleküle miteinander und verleiht Steinen ihre Festigkeit. Das für uns anschaulichste Beispiel für die Wirkung von Jala ist die Zubereitung einer Zementlösung. Zement ist ein ganz gewöhnliches Pulver, doch sobald man Wasser hinzufügt, erhält man ein Material, das jede beliebige Form annehmen kann. Das erschaffene Objekt wird fest werden, doch ohne die Mitwirkung von Jala wäre es unmöglich, die Elemente miteinander zu verbinden. Genauso könnte alles, was wir sehen oder spüren, ohne Wasser nicht existieren. Es verleiht Elastizität, Geschmeidigkeit und Schönheit. Jala ist die Quelle des Lebens, ohne die unser Körper dem Tod ausgeliefert ist. Es ist sicher bekannt, dass ein Mensch ohne Nahrung länger überleben kann als ohne Wasser.
Wasser ist ein sakrales Element, das mit dem Svadhisthana-Chakra in Verbindung gebracht wird. Wie andere Elemente auch hat Jala ein eigenes Yantra – eine grafische Darstellung – und zwar die Form einer Mondsichel. Wasser kann man mit der Energie des Mondes gleichsetzen: Es ist kalt und fließend und lässt sich mit sauren und salzigen Geschmacksrichtungen vergleichen. Man kann sich daran erinnern, dass der Begriff „Hatha-Yoga“ die Vereinigung zweier Energien umfasst, der Sonnenenergie (männlich) und der Mondenergie (weiblich). Wer den Weg des Hatha-Yoga verfolgt, entwickelt beide Prinzipien harmonisch und wird zu einer ganzheitlichen Persönlichkeit.
Dem Element Wasser entspricht das Bija-Mantra „Vam“, seine Farbe ist weiß oder silbern. Wie wir bereits wissen, verbindet Wasser alle Elemente im Körper; ohne Wasser ist die Aufrechterhaltung eines normalen Flüssigkeitshaushalts nicht möglich. Die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper, die Fortpflanzungsfunktion – all das fällt ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich von Jala.
Das Element Wasser, Jala, wird mit dem Geschmack in Verbindung gebracht; es kommt besonders auf der Zunge und in den Genitalien zum Ausdruck. Der einfachste Weg, sich mit Jala vertraut zu machen, besteht darin, regelmäßig reines und warmes Wasser zu trinken und die Empfehlungen für das jeweilige Dosha zu befolgen. Da Jala mit der Sprache in Verbindung steht, weisen Ayurveda-Experten darauf hin, dass es wichtig ist, darauf zu achten, wie und was wir sagen. Schimpfwörter und leeres Gerede werfen kein gutes Licht auf jemanden; außerdem bringen sie das Wasser aus dem Gleichgewicht.
Wasser ist ein Element, das für Veränderungen der Form verantwortlich ist, dabei aber den Inhalt bewahrt. Unter dem Einfluss des Windes – Vayu – transportiert Jala Stoffe, damit Agni, das Feuer, sie umwandeln kann.
Wie wir wissen, ist Jala flüssig, weich und formbar. Wenn unser Körper ausreichend mit Wasser versorgt ist, sind interzelluläre Flüssigkeit und das Lymphsystem in einem normalen Zustand. Außerdem spielt Wasser eine besondere Rolle beim Geschmacksempfinden. Man kann ein einfaches Experiment machen: Man legt sich ein kleines Stück Essen auf die trockene Zunge – man wird keinen Geschmack wahrnehmen. Warum? Weil Jala, das Element Wasser, dafür sorgt, dass sich der Geschmack entfaltet, wenn das Wasser die kleinen Partikel der in den Mund gelangten Substanz verteilt. Ayurveda besagt, dass der Geschmack ein äußerst wichtiger Faktor in der Ernährung und in unserem Leben ist.
Wasser steht in engem Kontakt mit dem Feuer – Agni. Jala neutralisiert die Säuren des Magensafts und macht die Gelenke geschmeidig; dank des Wassers können wir die Beweglichkeit unserer Bänder und Gelenke über viele Jahre hinweg erhalten. Jala sorgt dafür, dass das Körpergewebe nicht zerstört wird.
Darüber hinaus ist Wasser für den Gemütszustand verantwortlich. Wie wir die Meinung anderer wahrnehmen, hängt vom Wasser ab. Gelassenheit und die Fähigkeit, sich an die gegebenen Umstände anzupassen – auch das ist ein Verdienst von Jala. Wenn der Körper zu viel Wasser enthält, wird sich der Mensch vor Verantwortung „drücken“ und läuft Gefahr, als „schmieriger Typ“ zu gelten. Übermäßige Angst und Unruhe sind ebenfalls Symptome eines Wasserüberschusses im Körper. Eine weitere Funktion des Wassers ist die Bewahrung von Wissen, doch wenn es viel Wasser gibt, vermischen sich die verschiedenen Wissensinhalte miteinander.Wasser löscht das Feuer (Agni), während ein Mangel an Wasser dazu führt, dass sich das Feuer mit voller Wucht ausbreitet und Geschwüre sowie Hautprobleme verursacht. Feuer ist von Natur aus zerstörerisch, und nur das Wasser hat die Macht, es zu bändigen und in die richtige Richtung zu lenken. Ein Wasserüberschuss geht zudem mit hohem Blutdruck und Nierenproblemen einher. Da Wasser den Wind – Vayu – zurückhält und bewahrt, erhält der Mensch seine Jugend.
Mit welchen Lebensmitteln lässt sich der Wassergehalt im Körper erhöhen? Vor allem durch wasserhaltiges Obst und Gemüse. Reines Wasser wird jedoch nur schwer vom Körper aufgenommen; nur Agni kann es im Körper zurückhalten. Wenn man häufig schwitzt, verliert man viel Wasser. In diesem Fall empfehlen Ärzte, etwas Salziges zu essen. Der gleiche Rat gilt auch für diejenigen, die sich an klimatisch heißen Orten befinden. Das liegt daran, dass salzige Speisen Wasser anziehen und es im Körper zurückhalten. Man kann dem Wasser auch etwas Saures hinzufügen, zum Beispiel ein paar Tropfen Zitronensaft. Solches Wasser wird vom Körper leicht aufgenommen und löscht schnell den Durst.
Es wird empfohlen, direkt nach dem Aufwachen Wasser mit Zitronensaft zu trinken, wobei das Wasser lauwarm sein sollte. Das Getränk wird auf nüchternen Magen getrunken: Im Grunde genommen ist es eine Alternative zu dem Glas Wasser, das man gleich nach dem Aufstehen trinken sollte. Nur diese Kombination gilt als noch gesünder. Hat man Probleme mit Übergewicht, kann man dem Getränk eine Prise Kurkuma hinzufügen. Dieses Getränk belebt und senkt das Risiko, beim Frühstück zu viel zu essen, erheblich.
Abschließend soll daran erinnert werden, dass ein Überschuss oder Mangel an Wasser im Körper nur von einem Arzt festgestellt werden kann. Man soll nicht versuchen, sich selbst zu behandeln, da das der Gesundheit schaden kann. Man sollte auch an die eigene Ausdrucksweise denken: Es wird empfohlen, sich selbst und alles, was man sagt, zu kontrollieren – das wird der Energie des Wassers und den eigenen Mitmenschen sicherlich gefallen. Man sollte keine Zeit mit Diskussionen über unnötige und sinnlose Dinge verschwenden, auf das Reden über Gerüchte, auf Klatsch und Tratsch sowie auf die Verurteilung anderer verzichten. Wir sind alle unterschiedlich, und jeder von uns geht seinen eigenen, einzigartigen Weg. Wie wir ihn meistern, hängt allein von uns ab; das bedeutet, dass wir unser Augenmerk vor allem auf unsere innere Welt, auf unsere Entwicklung und Selbstvervollkommnung richten müssen.
Die Meinung des Autors basiert auf traditionellen ayurvedischen Texten und stellt keine medizinische Expertise dar. Zertifizierter Ayurveda-Berater und Yogalehrer.